Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle in der Medizin haben sich in den letzten Jahren zu einem politischen Thema entwickelt. Kassen und Politik fordern immer lauter eine "hohe Qualität" in der medizinischen Versorgung. Im Labor und in der Radiologie, eigentlich im Bereich der gesamten Medizintechnik, ist die Qualitätskontrolle z.B. durch das Eichgesetz, durch die Medizingeräteverordnung oder das Strahlenschutzgesetz geregelt.
Wie kann man aber in den Bereichen, in denen es keine physikalischen Meßgrößen gibt, die Qualität der ärztlichen Versorgung verbessern? Es gibt Staaten, in denen Ärzte in gewissen Zeitabständen immer wieder Prüfungen ablegen müssen. In anderen Ländern gibt es einen Zwang zur Fortbildung mit bestimmten Pflichtstunden. Bisher hat die deutsche Ärzteschaft derartige Zwangsmaßnahmen strikt abgelehnt, besteht doch laut Berufsordnung die "Pflicht zur regelmäßigen Fortbildung" und die Plicht zur "Ausübung der Heilkunde nach den Regeln der medizinischen Wissenschaft". Die Art und Weise seiner Fortbildung ist dem Arzt jedoch freigestellt. Er kann die Lektüre von Fachzeitschriften und Lehrbüchern oder den Besuch von Fortbildungveranstaltungen oder eine Kombination hiervon bevorzugen.
Bevor nun die Staatsorgane mit Gesetzen ähnlich dem Eichgesetz in den ärztlichen Beruf eingreifen und damit bestimmen, was "Qualität" bei der Behandlung der Patienten bedeutet, haben Ärzte die Initiative ergriffen, um selbst die Qualität ihres Handelns zu definieren. So stellt beispielsweise der Eid des Hippokrates die erste überlieferte "Qualitätskontrolle" dar.
Bundesweit haben sich nun sogenannte Qualitätszirkel gegründet, kleine Gruppen von Ärzten, die sich regelmäßig treffen und über ihren Beruf diskutieren. Es handelt sich dabei um eine besonders intensive Form der Fortbildung. Die Teilnahme an einem Qualitätszirkel ist selbstverständlich freiwillig.
In unserem Qualitätszirkel arbeiten seit 1993 regelmäßig 8 bis 10 Hausärzte mit. Wir treffen uns etwa 8 mal im Jahr. Die Themen wählen wir selbst aus. Unser Ziel ist es, anhand von Fallbeispielen über Leitsymptome oder über Erkrankungen bestimmte standardisierte Handlungsabläufe zu erarbeiten.
Diese standardisierten Vorgaben sollen Diagnostik und Therapie jedes einzelnen teilnehmenden Arztes beeinflussen, ohne ihn jedoch in seiner Entscheidungsfreiheit einzuengen.
Im Idealfall führt der Arzt seine Untersuchungen bzw. Therapie anhand dieser Standards aus, ohne aber gleichzeitig zu starr an diesem Standard zu hängen. Es hat sich bereits gezeigt, daß standardisierte Handlungsabläufe nicht nur in der Industrie, der Wissenschaft oder im Management die Qualität der Arbeit steigern, sondern daß auch in der Medizin effektiver behandelt werden kann. Dies dient nicht nur dem Wohl der Patienten, es führt auch zu einer sparsameren Verwendung der einzusetzenden Geräte und Heilmittel, bedeutet also mehr Gesundheit für weniger Geld.
Ein weiterer Nutzen der Qualitätszirkel ist für den teilnehmenden Arzt darin zu sehen, daß er im Gespräch mit Kollegen seine eigenen Anschauungen darstellen und in der Diskussion überprüfen kann. Und so ein kollegialer Gedankenaustausch macht schließlich auch noch Spaß!
Wir haben bei der Erstellung unserer Standards bereits existierende Arbeitshilfen bewußt außer acht gelassen (z.B. allgemeinmedizinische Lehrbücher, diagnostische Programme in der Allgemeinmedizin von Prof. Braun, etc.). Andererseits wollten wir auch nicht das Rad neu erfinden. Es ging uns einfach darum, Handlungsleitlinien zu finden, die speziell für die Praxen unseres Qualitätszirkels relevant sind.
Für die Präsentation haben wir das Internet gewählt, weil dieses Medium stets verfügbar und außerdem recht kostengünstig ist.